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Autonome Busse

Autonome Busse tauchen in der verkehrspolitischen Debatte regelmäßig als verheißungsvolle Lösung auf: selbstfahrende Fahrzeuge, die flexibel, effizient und rund um die Uhr verfügbar sein sollen. Pilotprojekte in Berlin, Hamburg, Monheim und Bad Birnbach haben diese Versprechen unter realen Bedingungen geprüft.1 Das Ergebnis ist nüchtern: Unter idealen Bedingungen auf klar definierten Strecken ist das Fahren ohne menschliche Eingriffe möglich, aber nur mit niedrigen Geschwindigkeiten – in Bad Birnbach etwa betrug die Betriebsgeschwindigkeit trotz technisch möglicher 40 km/h nur 15 km/h2 – und häufigen Eingriffen durch Aufsichtspersonal. Von einem Ersatz für klassischen Linienverkehr kann keine Rede sein.

Wie autonome Busse navigieren #

Die Fahrzeuge orientieren sich mithilfe von Kameras sowie Lidar- und Radarsensoren. Im Pilotbetrieb Bad Birnbach wurde ausdrücklich festgehalten, dass das Fahrzeug bei Sturm oder Starkregen nicht fährt.[^2] Baustellen, parkende Autos oder unvorhersehbares Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender führen schnell zu automatischen Sicherheitsstopps. Damit sind die Fahrzeuge auf geordnete, vorhersehbare Umgebungen angewiesen – eine Voraussetzung, die der städtische Alltag selten erfüllt.

Sicherheit und Akzeptanz #

Solange Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmende nicht darauf vertrauen können, dass ein Fahrzeug zuverlässig und vorhersehbar reagiert, bleibt breite Akzeptanz aus. Stand Mai 2025 gab es in Deutschland außerhalb von Pilotprojekten noch kein zugelassenes rein autonom fahrendes Fahrzeug im Straßenverkehr; auch in Europa waren keine hochautomatisierten Fahrzeuge (SAE Level 4) im regulären ÖPNV im Einsatz.3 In nahezu allen laufenden Projekten ist deshalb weiterhin eine Begleitperson an Bord – faktisch also kein autonomer Betrieb. Versicherungs- und Haftungsfragen sind nach wie vor ungelöst.

Wirtschaftliche Grenzen #

Der Betrieb autonomer Busse ist teuer. Sensorik und IT-Infrastruktur treiben die Kosten in die Höhe, während der erhoffte Personalkostenvorteil entfällt, solange Aufsichtspersonal vorgeschrieben ist. Auch langfristig verursachen Wartung, Software-Updates und Sicherheitsüberprüfungen erhebliche Aufwände. Selbst wenn gesetzliche Anforderungen an Begleitpersonal gelockert würden, bliebe fraglich, ob der Einsatz im Linienverkehr wirtschaftlich sinnvoll wäre.

Realistisches Einsatzgebiet #

Langfristig könnten autonome Busse im Zubringerverkehr oder in ländlichen Regionen eine Rolle spielen, wo herkömmlicher Linienverkehr nur unregelmäßig angeboten wird. Dort könnten sie als Ergänzung zu On-Demand-Systemen dienen. Für den städtischen Hochleistungsverkehr sind sie keine Alternative zu Straßenbahnen oder vollwertigen Bussystemen.

Einfach Einsteigen setzt auf bewährte Systeme

Die Zukunft des ÖPNV liegt im Ausbau effizienter, elektrischer und verlässlicher Netze – nicht in selbstfahrenden Einzelprojekten.

Unsere Positionen


  1. VDV, Liste Autonomer Shuttle-Bus-Projekte (laufend aktualisiert): vdv.de; PwC, „Autonome Busse im ÖPNV", August 2020: pwc.de ↩︎

  2. KIT/FAST, Projektsteckbrief Bad Birnbach, Stand August 2019: fast.kit.edu – Betriebsgeschwindigkeit 15 km/h, technisch mögliche Geschwindigkeit 40 km/h; kein Betrieb bei Sturm oder Starkregen explizit vermerkt. ↩︎

  3. Statista/BMDV, „Fördervolumen für selbstfahrende Busse 2024", Mai 2025: statista.com ↩︎