Das Deutschlandticket
Das Deutschlandticket wurde am 1. Mai 2023 als Nachfolge des 9-Euro-Tickets eingeführt.1 Bund und Länder beteiligen sich mit jeweils 1,5 Milliarden Euro jährlich an den Kosten, um Einnahmeausfälle der Verkehrsunternehmen zu kompensieren.2 Der ursprüngliche Monatspreis von 49 Euro wurde als Fortschritt gefeiert – wegen der bundesweiten Gültigkeit und der einfachen digitalen Nutzung. Umwelt- und Sozialverbände kritisierten den Preis als zu hoch und forderten sozial gestaffelte Varianten. Verkehrsunternehmen und Kommunen warnten dagegen, dass die staatlichen Zuschüsse steigende Kosten für Personal, Energie und Instandhaltung nicht ausreichend decken. In mehreren Bundesländern folgten Angebotskürzungen und Debatten über einen möglichen Ausstieg.
Zum 1. Januar 2025 stieg der Preis auf 58 Euro.3 Zum 1. Januar 2026 folgte eine weitere Erhöhung auf 63 Euro, beschlossen auf der Sonder-Verkehrsministerkonferenz am 18. September 2025.4 Ab 2027 soll ein Preisindex eingeführt werden, der Energie- und Personalkosten abbildet.5 De facto bedeutet das einen Rückgang der Beteiligung von Bund und Ländern, wenn allein die Fahrgäste die Kostensteigerungen tragen.
Die Preisanpassung Anfang 2025 führte laut Erhebungen von VDV und einzelnen Verkehrsverbünden zu einem deutlichen Rückgang der Abozahlen – von rund 14,5 Millionen im Dezember 2024 auf etwa 13,4 bis 13,5 Millionen im Frühjahr 2025.6 Besonders in Regionen mit günstigeren Verbund- oder Regionaltickets wechselten viele Kund:innen zurück zu diesen Angeboten. Gleichzeitig zeigt sich: Das Ticket wird vor allem regional genutzt. Nur rund 8 bis 12 Prozent der Inhaber:innen fahren damit verbundübergreifend; die Mehrheit nutzt es im Alltag ähnlich wie frühere Monats- oder Jahreskarten.7
Das Deutschlandticket wirkt vor allem dort, wo der ÖPNV gut ausgebaut ist. In ländlichen Regionen mit dünnem Angebot bleibt sein Nutzen begrenzt. Steigen die Preise weiter und bleiben günstigere regionale Alternativen bestehen, droht das Ticket seinen Vorteil gegenüber diesen zu verlieren.
Position von Einfach Einsteigen #
Einfach Einsteigen hatte sich schon während der Debatte um ein Nachfolgeprodukt des 9-Euro-Tickets nicht an Forderungen nach einem bundesweiten Billigticket beteiligt. Wir begrüßen die Einfachheit des Deutschlandtickets, sehen aber seine strukturellen Grenzen: Ein niedriger Preis allein kann den Nahverkehr nicht stärken, wenn es gleichzeitig an Fahrtenangebot, Personal und Infrastruktur mangelt.
Kernforderungen von Einfach Einsteigen #
Dauerhafte Finanzierung sichern: Bund und Länder müssen die Kostenentwicklung mittragen – Umlage statt Preisspirale.
Regionalisierung und soziale Staffelung: Ein gestuftes Modell (z. B. Regionalticket ab 29 €, Erweiterungen für 10 €, bundesweit 79 €) wäre sozial gerechter und finanziell tragfähiger.
Angebotsausbau und Personal: Nur mit dichteren Takten, besseren Anschlüssen und fairen Arbeitsbedingungen kann das Ticket die Verkehrswende stützen.
Barrierefreiheit und Flexibilität: Chipkarte, Papieroption und kurze Kündigungsfristen sichern einfache Nutzung für alle.
Mehr dazu im Positionspapier von Einfach Einsteigen und im Tagesspiegel-Kommentar von Mark Wege und Anne Mechels (Paywall).
-
Bundesregierung, „Deutschlandticket: Fragen und Antworten": bundesregierung.de ↩︎
-
Deutscher Bundestag, „Bund finanziert Deutschlandticket mit 1,5 Milliarden Euro", Dezember 2022: bundestag.de; Bundestag, „Bundestag macht Weg frei für das Deutschlandticket", Februar 2023: bundestag.de ↩︎
-
WirtschaftsWoche, „Deutschlandticket 2026: Preis, Erhöhung, Kündigung & Co.", Februar 2026: wiwo.de ↩︎
-
Bundesregierung, „Deutschlandticket: Fragen und Antworten": bundesregierung.de; Zukunftsnetzwerk ÖPNV, „Deutschlandticket wird 2026 teurer", September 2025: zukunftsnetzwerk-oepnv.de ↩︎
-
ADAC, „Deutschlandticket News: Preise, Politik & Zukunft", März 2026: adac.de ↩︎
-
VDV/DB-Marktforschung, zitiert nach FAZ, Heise und Tagesspiegel, 2./3. Juli 2025; weitere Erhebung: Busplaner, 30. April 2025 (ca. 13,5 Mio. für Frühjahr 2025; Abweichungen durch unterschiedliche Stichtage und Methoden). ↩︎
-
VDV-Erhebung zur verbundübergreifenden Nutzung des Deutschlandtickets, 2024 – konkrete Primärquelle noch zu benennen. ↩︎